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Kinderarbeit MOLACNATS

Presse-Info zum Thema Kinderarbeit

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1. Was ist Kinderarbeit?

Unter Kinderarbeit kann sowohl eine leichte Tätigkeit im Haushalt oder in der bäuerlichen Familienbetrieb verstanden werden, als auch eine durchaus schwere Arbeit in Industrie, Bergwerken oder auf der Straße. Während im Falle einer leichten Tätigkeit durchaus zu Recht bestritten werden kann, ob diese dem Kind wirklich schadet, empfiehlt sich den Bereich derjenigen Kinderarbeit genauer zu bezeichnen, der Kinder in ihrer Entwicklung wirklich beeinträchtigen kann. Die "Internationale Arbeitsorganisation" (IAO oder engl. ILO) empfiehlt deshalb ersteres mit Child Work und zweiteres mit Child Labour zu bezeichnen. Im deutschen gibt es diese differenzierenden Bezeichnungen nicht; deshalb empfiehlt es sich, für den Bereich der schweren Kinderarbeit von ausbeuterischer Kinderarbeit zu sprechen, so wie es auch die "Konvention für die Rechte des Kindes" (UN-Konvention aus dem Jahre 1989) tut.

  • Arbeit von zu jungen Kindern: Kinder in Entwicklungsländern beginnen mit der Arbeit in Fabriken häufig bereits im Alter von 6 oder 7 Jahren;
  • lange Arbeitszeiten: in manchen Fällen 12 bis 16 Stunden am Tag; Arbeit unter Überanstrengung: gemeint ist körperliche oder auch psychische Anstrengung wie z.B. in engen Minenwerken;
  • Arbeit auf der Straße: unter ungesunden und gefährlichen Bedingungen;
  • Arbeit für eine sehr geringe Bezahlung;
  • Arbeit mit nur geringem Anreiz; wie z.B. monotone und sich ständig wiederholende Aufgaben, die die soziale und seelische Entwicklung des Kindes hemmen;
  • Übertragung von zuviel Verantwortung;
  • Kinderarbeit als Subjekt von Einschüchterung; Verhinderung von Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl, z.B. durch unfreie Arbeitssituationen wie in Schuldknechtschaft oder auch durch sexuellen Mißbrauch.

In seinem World Labour Report von 1992 findet sich eine Charakterisierung dieser ausbeuterischen Kinderarbeit.


2. Ausmaß von Kinderarbeit

IAO und UNICEF schätzen die Zahl der Kinder in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen nach obiger Definition auf zur Zeit ca. 250 Millionen Kinder. Die Altersangaben variieren dabei von Land zu Land, je nachdem welche Altersgrenze das jeweilige Kinderarbeitsschutzgesetz vorsieht (zwischen 12. und 16. Lebensjahr). Die unterschiedlichen Altersangaben lassen eine genaue, universal gültige Erfassung von Kinderarbeit nicht zu. Darüber hinaus gibt es aber auch vermutlich eine hohe Dunkelziffer, da die Bereiche, in denen Kinder arbeiten, oft nicht kontrollierbar sind und die nationalen Regierungen, von denen meist die entsprechenden Daten über Kinderarbeit stammen, eher versuche, das Problem zu verharmlosen.

Die absolut höchste Zahl an Kinderarbeiter ist in Indien zu finden (44 Mio.). Die Kinderarbeitsquote, d.h. in Relation zur Anzahl der Kinder, ist in Afrika die höchste (20 - 25%), wobei die Subsaharastaaten am stärksten betroffen sind (in Burkina Faso arbeiten z.B. 70% der Kinder). Im Durchschnitt arbeiten in den Ländern der Dritten Welt 18 von hundert Kindern unter ausbeuterischen Bedingungen.


3. Formen von Kinderarbeit

Die Arbeitsplätze von Kindern lassen sich grob in fünf Kategorien einteilen:

  • (1) Die am weitest verbreitete Form der Kinderarbeit ist die Arbeit im eigenen Haushalt und in der hauptsächlich auf den eigenen Bedarf ausgerichteten bäuerlichen Landwirtschaft. In Indien arbeiten z.B. 90% der 44 Millionen arbeitenden Kinder in der Landwirtschaft.

  • (2) Die selbständige Kinderarbeit im informellen Sektor der Ökonomie findet man hauptsächlich in den Ländern Lateinamerikas. Dazu gehören: Zeitungen verkaufen, Schuhe und Autor putzen, Müll sammeln und sortieren, Lastentragen, Obst oder sonstigen alltäglichen Bedarf verkaufen etc. Aber auch betteln, Prostitution und Diebstahl kann dazu gezählt werden.

  • (3) Die z.T. entlohnte Kinderarbeit im informellen Sektor findet sich in Haushalten (vor allem für Mädchen), Werkstätten und Kleinbetriebe sowie in der Gastronomie.

  • (4) Kinderarbeitsplätze im formellen Sektor finden sich hauptsächlich in der handwerklichen bis industriellen Produktion, in Bergwerken und Steinbrüchen, in Ziegelbrennereien sowie auf Plantagen (Kaffee, Orangen etc.). Die Anzahl der Kinder, die in der Exportindustrie arbeiten, beträgt wahrscheinlich weniger als 5% der Gesamtzahl der Kinder, die unter ausbeuterischen Verhältnissen arbeiten. Von den etwa 44 Millionen arbeitenden Kindern Indiens arbeiten gerade mal geschätzte 80 000 bis 200 000 in der exportorientierten Teppichindustrie. Das sind immer noch sehr viele; jedoch ist dieser Arbeitsbereich nicht charakteristisch für Kinderarbeit weltweit.


4. Ursachen von Kinderarbeit

”Die meisten Kinder arbeiten, weil ihre Familien arm sind.”Armut und Massenarbeitslosigkeit bedingen, daß Kinder arbeiten und für das Überleben ihrer Familien mithelfen müssen. Jeder fünfte Mensch der Erde ist als arm oder extrem arm zu bezeichnen. Die meisten Kinderarbeiter finden wir demnach auch in den ärmsten Regionen dieser Welt (Indien, Sub-Sahara-Staaten in Afrika). Kinderarbeit ist für arme Familien oft die einzige Möglichkeit zu überleben. IAO und UNICEF stellten in einer Untersuchung in Zentralamerika fest, daß acht von zehn Familien in Armut oder extremer Armut auf die Mitarbeit ihrer Kinder zurückgreifen.



5. Kinderarbeit und Einkommen

Die meisten Kinderarbeiter erhalten überhaupt keinen Lohn für ihre Tätigkeiten. Die IAO schätzt den Anteil der entlohnten Kinderarbeit auf lediglich 38% der Gesamtkinderarbeit. Kinder, die im industriellen Sektor oder der exportorientierten Landwirtschaft arbeiten, verdienen in der Regel wesentlich weniger als ihre erwachsenen Kollegen. Kinder im informellen Sektor der Ökonomie verdienen in der Regel besser als Kinder im formellen Teil. ”In Recife, Brasilien fand der Stadtrat heraus, daß Kinder durch betteln oder den Verkauf von Früchten an geschäftigen Straßenkreuzungen das bis zu Dreifache des Mindestlohnes einnehmen konnten; viele von diesen Kindern verdienen sicherlich mehr als ihre Eltern. Prostitution kann einer der bestbezahltesten ”Jobs” für Kinder sein... In den Philippinen z.B. können sie in einer Nacht bis zu 15 US$ verdienen, der Durchschnitt liegt bei etwa 5 US$.”


6. Internationale Übereinkommen über Kinderarbeit

Im internationalen Rahmen spielt vor allem die am 20. November 1989 von den Vereinten Nationen verabschiedete Kinderrechtskonvention eine bedeutende Rolle.

In Artikel 32 Abs. 1 der UN-Kinderkonvention erkennen die Vertragsstaaten das Recht des Kindes an, ”vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt und nicht zu einer Arbeit herangezogen zu werden, die Gefahren mit sich bringen, die Erziehung des Kindes behindern oder die Gesundheit des Kindes oder seine körperliche, geistige, seelische, sittliche oder soziale Entwicklung schädigen könnte.”

Insgesamt 167 Staaten haben das Übereinkommen inzwischen unterschrieben.

Etwas enger faßt das aus dem Jahre 1973 stammende Übereinkommen Nr. 138 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über das Mindestalter für die Zulassung zur Beschäftigung mit zugehöriger Empfehlung Nr. 146 diesen Rahmen. Darin wird festgelegt,

  • eine Innerstaatliche Politik zu verfolgen, die dazu bestimmt ist, die tatsächliche Abschaffung der Kinderarbeit sicherzustellen (Artikel 1);

  • ein Mindestalter für die Zulassung zur Beschäftigung oder Arbeit sicherzustellen, das nicht unter dem Alter liegen darf, in dem die Schulpflicht endet, auf keinen Fall unter 15 Jahren (Artikel 2 Abs. 3);

  • ein Mindestalter von nicht unter 18 Jahren für die Zulassung zu einer Arbeit festzusetzen, die für Leben, Gesundheit oder Sittlichkeit des Jugendlichen gefährlich ist (Artikel 3, Abs. 1)

Das Übereinkommen wurde bisher von 46 IAO-Mitgliedsstaaten ratifiziert, unter denen sich jedoch nur wenige finden, in denen die Zahl der Kinderarbeiter sehr hoch ist. Für viele Staaten dürfte dabei das sehr hoch angesetzte Mindestalter für die Beschäftigung von Jugendlichen ein Hinderungsgrund sein (15 mit Perspektive auf 16 Jahre)

Neben diesem gibt es noch ein weiteres wichtiges IAO-Übereinkommen, das ArbeiterInnen (also auch KinderarbeiterInnen) unter zwangsähnlichen Bedingungen - wie zum Beispiel in Schuldknechtschaft - betrifft. Nach Artikel 2 Abs. 1 dieses Übereinkommens Nr. 29 aus dem Jahre 1930 wird als Zwangs- oder Pflichtarbeit jede Arbeit bezeichnet, die unter Androhung irgendeiner Strafe verlangt und für die sich die betroffene Person nicht freiwillig zur Verfügung gestellt hat. Insgesamt 136 IAO-Mitgliedsstaaten haben dieses Übereinkommen ratifiziert, darunter auch viele Staaten in denen ein hohes Maß an Zwangsarbeit vermutet wird oder nachgewiesen ist.


7. Maßnahmen zur Behandlung von Kinderarbeit

Die Maßnahmen zur Behandlung von Kinderarbeit gestalten sich unterschiedlich, je nachdem welchem Ansatzpunkt und welcher Zielsetzung sie fokussieren. Gerade die Ziele teilt die Maßnahmen bzw. die darin wirkenden Akteure in zwei Lager: die einen treten für eine radikale Abschaffung von Kinderarbeit ein während das andere Lager, zu dem auch die gerade in Lateinamerika stark vertretene Bewegung der arbeitenden Kinder zählt, sich für ein Recht auf Arbeit aber gegen Ausbeutung ausspricht. Im einzelnen lassen sich die Maßnahmen in folgende Kategorien einteilen:

Entwicklungspolitische Maßnahmen: Hier findet vor allem das IPEC (Internationale Programme on the Elimination of Child Labour) der IAO Erwähnung. Zu den Zielen des Programms gehören:

  • Herauslösen der Kinder aus dem Arbeitsprozeß und ihre Befreiung aus unfreien Beschäftigungssituationen;

  • Parallel zur Erreichung dieses Zieles Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Kinder;

  • Ermöglichung von Schulausbildung und regelmäßigem Schulbesuch;

  • Vorbereitung auf eine spätere Berufstätigkeit;

Daneben werden strukturelle Maßnahmen des Landes gefördert, die zur Abschaffung von Kinderarbeit führen. Das Programm wird zu einem großen Teil durch die deutsche Bundesregierung gefördert.

Handelspolitische Maßnahmen/ Sozialklauseln: Hierunter fallen einerseits Zwangsmaßnahmen, wie sie im Rahmen von GATT/WTO bzw. der OECD diskutiert werden. Sie sollen Ländern, die Kinderarbeit in der Exportindustrie einsetzen, handelspolitische Sanktionen auferlegen. Kritiker wenden allerdings ein, daß sich dahinter protektionistische Maßnahmen der Industrieländer verstecken könnten. Andererseits fallen darunter aber auch freiwillige Beschränkungen von Kinderarbeit, wie sie u.a. das RUGMARK-Label im Bereich der Teppichindustrie regelt. Dabei erklären die Produzenten freiwillig ihren Beitritt, verpflichten sich danach allerdings keine Kinder unter 14 Jahren in ihrem Betrieb zu beschäftigen. Zusätzlich flankieren entwicklungspolitische Maßnahmen, wie die Förderung von Bildungseinrichtungen für Kinder, dieses Programm.

Kampagnen: Sie haben eher Informations-Charakter und zielen zusätzlich auf das Konsumverhalten. Nennenswert sind hier die Kampagnen des IBFG (Internationaler Bund freier Gewerkschaften) und der GTB (Gewerkschaft Textil und Bekleidung im DGB), die eine sehr rigorose Abschaffung von Kinderarbeit einfordern und die Teppichkampagne (misereor, terre des hommes und Brot für die Welt) sowie die Orangensaftkampagne (gefördert durch die Kindernothilfe), die eher auf Verbesserungen von Arbeitsbedingungen für Kinder abzielen.

Pädagogische Projektarbeit: Hier gibt es eine Vielzahl von Projekten weltweit, die weitestgehend von nichtstaatlichen Organisationen durchgeführt werden. Auch hier finden sich beide Zielsetzungen wieder: Abschaffung der Kinderarbeit oder Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Kinder. Gerade in Lateinamerika haben sich viele dieser Projekte der Bewegung der arbeitenden Kinder angeschlossen.

Soziale Bewegung der arbeitenden Kinder: Diese Bewegung - mit von Land zu Land unterschiedlichem formellen Organisationsgrad - findet sich inzwischen in fast allen Ländern Lateinamerikas. Sie setzen sich vor allem für ein Recht auf Arbeit für Kinder/ gegen Ausbeutung ein. Ihre Argumentation bezieht sich einerseits auf die faktisch herrschende Armut, die eine Mitarbeit von Kindern notwendig macht; andererseits stützen sie sich auch auf ein Selbstbestimmungsrecht als Kinder. Ein Verbot von Kinderarbeit führe nur zur Illegalisierung ihres zur Armutsbekämpfung notwendigen Handelns. Solange strukturelle Maßnahmen Kinderarbeit aber nicht überflüssig mache, könnten auch entwicklungs- oder handelspolitische oder pädagogische Maßnahmen diese nicht beseitigen. Darüber hinaus wird der entwicklungsfördernde Aspekt von Kinderarbeit betont, wie sie auch die reformpädagogische Richtung vertritt.